Glaubenskurs-Abend
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Wenn der Pfarrer eingangs die Trillerpfeife bläst, zum Singen alle aufspringen und Fahnen geschwenkt werden – dann wird in Elversberg Fußballgottesdienst gefeiert.
Zum ersten Mal überhaupt hat die örtliche Sportvereinigung 07 Elversberg (SVE) in diesem Jahr den Sprung in die erste Fußball-Bundesliga geschafft. Der Aufstieg in die oberste Liga – der dritte in nur fünf Jahren – wirkt auf viele immer noch wie ein einziges langes Fußballmärchen. Ein Märchen, das die kleine Gemeinde nun vor große Herausforderungen stellt. Ein Dorfverein in der Bundesliga – dafür braucht es Unterstützung.
Für Uwe Schmidt, Pfarrer der Kirchengemeinde Evangelisch Mittendrin in Neunkirchen und bekennender Fußball-Fan, war schon kurz nach dem Aufstieg klar, dass er den Fußball und seine Fans in die Kirche holen wollte. Die Ziele: Beistand „von oben“ erbitten, aber vor allem zu einem fairen Miteinander beitragen. Inspirieren ließ sich Schmidt bei der Konzeption von den „Fan-Andachten“, die seit vielen Jahren im Kölner Dom stattfinden. Niedrigschwellig solle das gottesdienstliche Angebot sein, offen für alle – und natürlich ökumenisch.
So lebt dieser erste Elversberger Fußballgottesdienst dann auch von der Stadion-Atmosphäre im kirchlichen Raum. Bälle, Schals und Banner zieren Kanzel, Altar und die Empore. Schon eine Viertelstunde vor Beginn ist die Evangelische Kirche in der Luisenstraße rappelvoll, schwarz-weiße Trikots und Schals in jeder Ecke.
Die Besucherinnen und Besucher sind von Anfang an aktiv dabei, ob beim Singen oder gemeinsamem Sprechen. Als das Lied „2022, an einem Tag im Mai“ angestimmt wird, singt die ganze Kirche inbrünstig mit.
Und gibt es mal eine Verzögerung, wird diese mit Sprechchören „SVE“ überbrückt. Der Hinweis von Gemeindereferentin Ursula Zewe-Petry von der katholischen Pfarrei, dass auch andere Vereine willkommen seien, wirkt eher pro forma. An diesem Nachmittag ist die Kirche schwarz-weiß.
Eine Predigt gibt es nicht, stattdessen mehrere Talkrunden. Hier wird nicht über Fans gesprochen, sondern die Fans selbst kommen zu Wort. Im Mittelpunkt steht „TeamGeist“: eine offene und faire Fankultur. Diese müsse an erster Stelle stehen, so Zewe-Petry. Einen Tag nach den schweren Ausschreitungen bei einem Pokalspiel in Mannheim sind die Nachwirkungen der Gewalt noch deutlich zu spüren. In Elversberg hat man dafür kein Verständnis. „Hass hat im Sport gar nichts zu suchen, Gewalt war nie ein Thema bei uns“, betont Norbert, seit über vier Jahrzehnten SVE-Mitglied.
„Sie haben es in der Hand, dass so etwas in Elversberg nicht vorkommen wird“, appellierte Zewe-Petry an die 300 Menschen in der Kirche. Und auch Uwe Schmidt sieht die Chance für den saarländischen Club, eine Vorbildfunktion im Miteinander einzunehmen.
Auch in der Bundesliga soll die Fankultur in Elversberg erhalten werden vor, während und nach den Spielen, hofft auch Elfi, langjährige Stadiongängerin. „Wenn woanders ein Spieler einen Elfer verschießt, wird er noch ausgepfiffen. Bei uns gibt es dafür Applaus, denn nächstes Mal wird es besser.“ Damit gehe ein anderes Verständnis von Fan-sein einher. „Ich bin Fan, auch wenn die Mannschaft mal schlecht spielt“, betont sie – und bekommt dafür großen Applaus in der Kirche.
Pfarrer Uwe Schmidt ist begeistert von der Bilanz des ersten Fußballgottesdienstes. Über die Saison hinweg will er weitere Angebote an der Schnittstelle von Kirche und Sport entwickeln und im nächsten Jahr den Gottesdienst zur Saisoneröffnung neu auflegen – denn vom Klassenerhalt ist man in Elversberg überzeugt.